Vom Reisen mit Handgepäck zu versteckten Traumstränden

Nun ist der Tag also gekommen: Nachdem alle Vorbereitungen getroffen und all mein Hab und Gut in Schachteln verpackt war, stand ich vor der Herausforderung, alles was ich in den nächsten 6 Monaten brauchen werde, in meinen Handgepäck-Rucksack zu packen. Allen Leuten, die mir gesagt haben, das wird sich nicht ausgehen, habe ich ins Gesicht gelacht und jetzt stand ich da, der Rucksack schon voll mit den 3 Packsäcken mit meiner Kleidung und daneben liegend noch alle Kosmetika, Medikamente und Elektroniksachen. Da hab ich schon kurz überlegt, wie ich eigentlich auf diese blöde Idee gekommen bin, mit Handgepäck zu reisen und wollte schon meinen großen Rucksack herausholen – aber dann habe ich mich doch dazu entschlossen, dass ich das 8. T-Shirt, die Jeans-Shorts und die meisten Schminksachen nicht brauche, und dass ich das Schnorchel-Set auch unterwegs ausborgen kann. Letztendlich habe ich es also doch geschafft, alles in meinem 45L Rucksack und meinem Tagesrucksack unterzubringen – und immerhin, bis jetzt hat es mir an nichts gefehlt. 🙂

Nach fast 24h unterwegs, mit Umsteigen in Taipeh, sind wir in Yangon, der größten Stadt Myanmars angekommen. Wie das so ist, war schon die Taxifahrt nach Downtown Yangon ein Erlebnis: nachdem wir die Adresse am Handy hergezeigt haben, ich mit dem Bruder des Taxifahrers telefoniert habe und mir beide versichert haben, dass sie verstanden haben, wohin wir müssen, standen wir erst mal nicht in der 15. Straße, wo unser Hotel war, sondern in der 50. Straße. Etwas später sind wir dann aber doch in unserem Hotel angekommen, das klein und authentisch war und in dem das Personal (wie generell die Leute in Myanmar) sehr nett und zuvorkommend war. Westlich aussehende Leute haben wir in der Gegend unseres Hotels so gut wie nicht gesehen und auch bei unserem Spaziergang durchs „koloniale“ Yangon sind uns nur wenige davon untergekommen. Später bei einem Bier in der Traveller Straße haben wir doch noch ein paar Touristen gesehen. Und als wir uns am nächsten Tag zur Shwedagon Pagode, dem wichtigsten buddhistischen Bauwerk in Myanmar aufmachten, wussten wir dann auch wo sich die ganzen Touristen versteckt haben. Die Pagode ist aber auch wirklich sehr beeindruckend.

Bei Aufbruch aus Yangon am nächsten Tag, lies ich meinen ersten Eindruck von Myanmar noch einmal Revue passieren: auch in der größten Stadt des Landes fühlt man sich sehr sicher, und die Burmesen sind extrem freundlich aber nie aufdringlich. Überrascht hat mich, dass auch in Yangon Longyis (die Röcke die auch die männlichen Burmesen tragen) und Thanaka (die weiße Paste die Burmesen, vor allem Kinder und Frauen, im Gesicht tragen) sehr weit verbreitet sind.

Am nächsten Tag ging es dann um 4 Uhr früh mit dem Taxi los zu einer Busstation im Westen der Stadt, wo unser Bus zum Strand wegfuhr. Etwas mulmig war mir kurz zumute als wir noch im Dunkeln in der schlecht beleuchteten, sehr geschäftigen Busstation ankamen, aber im Wartehäuschen wurde uns von den schon wartenden Familien und ihren süßen Kindern mit einem Lächeln und Nicken ein freundliches „Hallo“ beschert. Die nächsten 6 Stunden fuhren wir dann mit einem klapprigen Bus der gefühlt alle 5 KM anhält um Personen oder Pakete ein- oder auszuladen, nach Ngwe Saung, einem Strandort der bei einheimischen Touristen beliebt ist. Dort angekommen, erwartete uns unsere sehr einfache Traveller-Unterkunft bei der man auch wirklich alles aus den Nebenzimmern durchhört, aber auch Traumstrände und romantische rosa Sonnenuntergänge. An Tag 2, der 4.1. – Unabhängigkeitstag in Myanmar, haben wir uns dann zwei rostige Fahrräder ausgeborgt um ans Nordende des Ortes zu fahren, wo wir einen versteckten Traumstrand ganz für uns alleine hatten. Wenn das bis zu diesem Punkt wie eine Werbeeinschaltung für Myanmar Tourismus klingt, liegt das wohl daran, dass Myanmar bisher genau das erfüllt, was ich mir erhofft habe: das Land und die Leute wirken sehr authentisch, es ist wenig touristisch und alles ist sehr erschwinglich, außerdem fühlen wir uns sehr sicher, die Burmesen sind außerdem extrem freundlich und haben immer ein Lächeln übrig.

Jetzt freue ich mich schon auf die nächste Destination: Heute Abend fahren wir mit zwei weiteren Bussen weiter nach Bagan, einer historischen Königsstadt und UNESCO-Weltkulturerbe weiter nördlich, wo 3822 Tempel und Pagoden auf uns warten.