Auf der Suche nach Ruhe in Kambodscha

Unser Aufenthalt in Kambodscha begann abenteuerlich. Vom Landweg aus Thailand hatte ich schon einiges gehört und gelesen und war daher darauf gefasst, dass der Grenzübertritt nicht ganz einfach sein würde. Die Fahrt von Koh Kood nach Siem Reap war außerdem das Erste auf dieser Reise, das wir komplett ungeplant angingen. Glücklicherweise trafen wir bereits auf dem Transfer zur Fähre in Koh Kood, das total nette polnische Pärchen Lucy und Baz, die auch am Weg nach Siem Reap waren und so konnten wir Fahrtkosten und Aufregung mit ihnen teilen. Am Festland angekommen, erfuhren wir, dass es nicht wie angenommen einen direkten Bus zur Grenze gab. Zu viert konnten wir uns aber die Kosten für die 250 km lange Taxifahrt teilen und dabei auch noch zu den 90er Kuschelrock Liedern die der Fahrer spielte, mitsingen. An der Grenze mussten wir aussteigen um uns auf der anderen Seite ein neues Taxi zu besorgen. Der Grenzübertritt ging unerwartet einfach und ohne erwartete Abzockversuche. In Kambodscha wurden wir jedoch sofort von etwas unheimlichen Taxivermittlern belagert. Aus Mangel an Alternativen akzeptieren wir schließlich ein Angebot, dass „der Bruder des Vermittlers“ uns für den von mir recherchierten angemessenen Preis nach Siem Reap bringen würde. Der Bruder erschien uns jedoch ziemlich grantig, sprach kein Wort Englisch und wurde uns noch unheimlicher als er in Seitengassen fuhr und nicht auf unseren Fragen, wo es denn hinginge, reagierte. Schnell lernten wir, dass Kambodschaner nicht unbedingt freundlicher werden wenn man laut auf sie einredet. Angekommen sind wir dann trotzdem gänzlich unbeschadet.

Die Tage in Siem Reap verbrachten wir damit die Tempel von Angkor zu besichtigen, die echt beeindruckend sind, auch wenn die heiße und staubige Luft das Sightseeing etwas mühsam machte. Die Haupttempel, allen voran Angkor Wat, sind natürlich sehr sehenswert, aber auch überlaufen und so fand ich manche kleine Tempel, in denen sonst kein Mensch war, irgendwie noch schöner. Später am Tag, genossen wir den Pool im Hostel, leider teilweise bei lauter Technomusik oder trafen Lucy und Baz in einer der Bars in der Pub Street. Sehr gut gegessen haben wir zB im Haven Café, das Jugendlichen aus armen ländlichen Gegenden eine Ausbildung bietet und zu meiner großen Freude, weißen Spritzer im Angebot hatte.

Von Siem Reap ging es weiter nach Kampot – unsere bisher längsten Busfahrt, die 12 Stunden dauerte. Kampot ist ein richtig nettes, ruhiges Städtchen mit einigen kleinen internationalen Lokalen und Cafés. Unser Gästehaus hatte eine schöne Terrasse zum Fluss hin und mehrmals besuchten wir das portugiesische Lokal Tertúlia, wo der wahnsinnig nette Miguel, der vor ein paar Monaten in Portugal alles hinschmiss um mit seiner Frau das Restaurant zu eröffnen, uns zum Portwein die besten Tipps für die Umgebung und auch das nördliche Portugal servierte.

Am Touri-Programm stand bei uns die Sonnenuntergang / Glühwürmchen Bootstour, bei der wir zwar kaum leuchtende Würmchen sahen aber dafür mitbekamen, wie die kambodschanischen Touristen ihre Wochenenden zelebrieren und schließlich an Deck zu Musik die 3 Jungs aus ihrer mitgebrachten Box spielten, tanzten. Am nächsten Tag ging es mit dem Moped zu La Plantation, die größte der Pfefferfarmen, die den weltberühmten Kampot Pfeffer nach dem fast alle Plantagen nach der Machtergreifung der Roten Khmer zerstört wurden, wiederbeleben möchten und dabei der lokalen Bevölkerung gute Jobs gibt und auch die örtliche Schule unterstützt. Führung und Verkostung sind gratis, die Anfahrt über unbefestigte, Schlaglöcher behaftete Straßen jedoch recht mühsam.

Die kommenden Tage sollten für uns dann eigentlich wieder erholsame, einfache Insel-Zeit bringen. Wegen dem chinesischen Neujahrs-Feiertagen fanden wir nur mehr auf Koh Ta Kiev, einen freien Bungalow, die Insel erschien online aber sehr naturbelassen und das Last Point Hostel wirkte zwar sehr einfach, hatte aber gute Bewertungen. Strom nur an der Bar für ein paar Stunden am Tag, kein fließendes Wasser und ziemlich offene Bungalows in der uns nachts eine Ratte unsere Cracker klaute (immer noch besser als die 2 Schlangen im Bungalow nebenan) störten uns nicht so sehr, aber leider war der Strand sehr vermüllt, was die Mitarbeiter aber nicht besonders zu stören schien, denn sie waren auch von mittags bis spät nachts mit Feiern beschäftigt. Leider gab es genug Strom, damit sie laute Technomusik bis 3 oder 4 Uhr morgens spielen konnten. Wir fanden trotzdem ein paar nette ruhige Plätzchen, z.B an einem Aussichtspunkt im Dschungel oder am Strand des Kaktus-Resort auf der anderen Seite der Insel. Und wir trafen auch ein paar nette Gleichgesinnte, die sich auch zu alt für dieses Festivalleben fühlten.

Nach 3 Nächten auf der Insel ging es im Regen zurück aufs Festland, wo wir zum Glück keine Nacht in der Großbaustelle Sihanoukville eingeplant hatten, sondern uns mit 2 Französinnen ein Taxi nach Phnom Penh teilten. An den kambodschanischen Fahrstil mit verrückten Überholmanövern hatten wir uns mittlerweile gewöhnt, aber dass der Taxifahrer im dichten Großstadtverkehr während dem Fahren Michael Jackson Videos ansah, war doch noch eine Draufgabe.

In Phnom Penh haben wir das Touristenprogramm großteils ausgelassen, den Palästen und Tempeln waren wir etwas müde und genossen dafür den Pool und die Rooftop Bar in unserem Hotel. Am 1. Februar war dann leider auch schon Paul‘s Abreisetag gekommen – die nächsten 1,5 Monate werde ich alleine weiterreisen. Nach unserem Abschied am Flughafen, ging es für mich also weiter mit dem Minibus Richtung Mondulkiri im Nordosten Kambodschas, wo ich noch zwei endlich ruhige Nächte im von 3 Italienern geführten Route 76 Guest House genieße, wo ich ein gemütliches Zimmer, leckeren Chianti und nette Gespräche bekomme, bevor es zum Volunteering beim Elephant Valley Project in den Dschungel geht. Mal sehen was mich dort erwartet 🙂

Alles Liebe,
Kati

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