No rides, no tricks, just elephants. Eine Woche Volunteering beim Elephant Valley Project

Vor 3 Jahren habe ich in Thailand schon mal ein Elefantencamp besucht. Mir war damals schon bewusst, dass das Reiten auf Elefanten, besonders in den oftmals schweren Sitzen, den Tieren keinen Spaß macht. Dass wir die Elefanten füttern und baden konnten, fand ich damals nicht problematisch, aber als ein Elefant beim Posieren auf Kommando seines Mahouts seinen Rüssel um meine Beine schlang, kam ich mir schon etwas merkwürdig vor. Das Foto das dabei herauskam, fand ich dann aber so toll, dass ich es trotzdem auf Facebook teilte.

Da ich Elefanten seit dieser ersten Begegnung total beeindruckend fand, war mir klar, dass ich auf meiner Weltreise wieder eine Elefanten-Erfahrung machen möchte – Angebote dafür gibt es in Südostasien genug. Bei meinen Recherchen wurde mir jedoch immer bewusster, dass füttern und baden mit Touristen, welche ja keine natürlichen Situationen für die Tiere sind, Stress für sie bedeutet. Darüber hinaus, sind die Elefanten halbwilde Tiere, die auch wenn sie „gezähmt“ wurden, nicht vollkommen berechenbar sind, was also auch ein Sicherheitsrisiko für Besucher bedeutet. Das Elephant Valley Project in Kambodscha, das auch in Thailand vertreten ist, ist dagegen eine Initiative, das (ehemaligen) Arbeitselefanten ein artgerechtes, vorübergehendes oder dauerhaftes Zuhause gibt und Touristen die Möglichkeit, Elefanten aus angemessenem Abstand in ihrem natürlichen Verhalten zu beobachten. Die Tiere im EVP sind entweder aus Gefangenschaft gerettete Elefanten oder „gemietete“ Elefanten, die sich im EVP eine Weile von ihrem anstrengenden Arbeitsalltag zB im Tourismus erholen. Die Tiere sind alle mittleren oder höheren Alters – im EVP werden keine Elefantenbabys (die später in Gefangenschaft leben würden) gezüchtet. Quasi ein Alters- bzw. Pflegeheim für Elefanten also.

Elefanten beobachten

In den 5 Tagen die ich im kambodschanischen Dschungel verbrachte, hatte ich mehrmals die Möglichkeit die aus 2-4 Tieren bestehenden Elefantengruppen gemeinsam mit anderen Besuchern zu beobachten. Die Elefanten werden dafür nicht zu den Besuchern gebracht, sondern wir wanderten in den Dschungel, wo wir auf die Elefanten und ihre Mahouts trafen. Dann konnten wir den den Elefanten bei dem zusehen, was sie gerade so trieben. Mir war schnell klar, dass es so viel spannender ist, die Elefanten beim Pflücken von Blättern oder Kratzen ihres Hinterteils an Baumstämmen zu beobachten als sie mit Bananen zu füttern oder ihnen gar bei irgendwelchen Tricks zuzusehen. Die Mitarbeiter des EVP bestehen aus wenigen Ausländern und vielen Angehörigen der heimischen Bunong Minderheit – ihr Wissen über Elefanten und ihre Leidenschaft für die Sache ist beeindruckend und so erzählten sie uns die Geschichten der einzelnen Elefanten, erklärten ihr Verhalten und beantworteten alle unsere Fragen. Wusstest du zB, dass Elefanten trotz großer Ohren nicht gut damit hören, dafür aber Geräusche, oftmals aus vielen Kilometern Entfernung, mit ihren Füßen wahrnehmen können?

Meine Aufgaben

Neben meinen täglichen Volunteering-Aufgaben, wie Reissuppe kochen für eine Elefantendame, die leider kaum mehr feste Nahrung zerkauen kann, konnte ich das Team bei Tätigkeiten wie Unkraut jäten, Setzlinge gießen und Schilder bauen unterstützen – nicht unbedingt Aufgaben, die ich zuhause oft erledige und so war ich beschämend stolz, als ich es geschafft hatte, meinen ersten Nagel in ein Holzschild zu hämmern. Freiwillige die zumindest eine Woche bleiben, dürfen außerdem bei dem wöchentlichen Gesundheitscheck der Elefanten helfen und so noch mehr über die beeindruckenden Dickhäuter erfahren. Rüssel, Haut, Ohren, Augen, Füße, Gewicht und auch Ausscheidungen der Elefanten genau unter die Lupe nehmen – mein persönliches Highlight der Woche!

Leben im Dschungel

Zufälligerweise war ich in dieser Woche die einzige 1-wöchige Volontärin und in den ersten beiden Nächten gab es keine anderen Gäste, die im Dschungel übernachteten. (EVP Mitarbeiter die in einem anderen Gebäude untergebracht waren, waren natürlich vor Ort.) Nachts (zumindest gefühlt) allein im Dschungel zu sein, vor allem als nach 21 Uhr der Strom ausging, hat mir in den ersten 2 Nächten doch ziemliche Angst gemacht, denn wer weiß was da nachts alles in mein Zimmer krabbeln oder schleichen kann. Und vor allem der Weg zur etwas vom Schlafgebäude entfernten Toilette war anfangs eine Herausforderung. Umso besser war jedoch das Gefühl, als ich merke, dass mir das alles nach und nach immer weniger und am Ende eigentlich gar nichts mehr ausmachte.

Insgesamt war die ganze Woche eine wirklich bereichernde Erfahrung: Ich bin auf diese Weltreise gegangen um Natur und Tiere zu beobachten, die es zuhause nicht gibt, andere Kulturen und inspirierende Menschen kennenzulernen und mich meinen Ängsten zu stellen. All das konnte ich in dieser Woche erleben. Ein Aufenthalt im EVP ist leider nicht ganz günstig, jedoch unterstützt man damit nicht nur die dort lebenden Elefanten, sondern auch die Arbeit die das Team im Wald leistet, sowie das Bunong Dorf, das in das Projekt eingebunden ist, von dem viele Bewohner im Projekt angestellt sind, Kinder Stipendien bekommen, einen Ambulanz-Service etc. Neben der Elefanten-Erfahrung die für mein Geld bekommen habe, wobei Sicherheit immer an erster Stelle steht (zb sind bei allen Dschungel-Touren zumindest 2 Guides dabei), bietet das EVP auch eine sehr gemütliche Unterkunft mitten im Dschungel inkl. wunderschönen Platz zum Sonnenuntergang-Schauen und außerdem extrem leckeres (auch vegetarisches :)) Essen.

Wenn du auch mal eine Elefanten-Erfahrung in Kambodscha (oder Thailand) machen möchtest, kann ich das EVP wirklich empfehlen. Und wenn du noch mehr über meine Erfahrung dort wissen willst, schreib mir gern. 🙂

Danke fürs Lesen & alles Liebe,
Kati

2 Gedanken zu „No rides, no tricks, just elephants. Eine Woche Volunteering beim Elephant Valley Project“

  1. Finde ich toll was du machst! In Kerala waren wir auch in einem Elefanten Rehabilitationszentrum, wo bereits Touristen beim Waschen oder Füttern angegriffen worden sind. Daher durften wir die Elefanten auch nur in einiger Entfernung beobachten, was gut so ist! Ich habe auch großen Respekt vor diesen Tieren.

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